...das liegt manchmal eng nebeneinander. Was denken Sie? Ist es mutig oder leichtinnig, wenn ein Winzer mit 5,2 Hektar Rebfläche und ein paar erfolgreichen Verkostungsergebnissen mit einem Schlag 7,2 Hektar verwilderte Weingärten kauft, allesamt rodet und neu bepflanzt, wissend, dass die erste Ernte erst 3 Jahre später zu erwarten ist?

Heute gibt Roman Pfaffl zu, dass er vor 20 Jahren viele schlaflose Nächte gehabt hat. Einer, der an ihn geglaubt hat, ist auch heute noch einer der besten Verkoster und erfahrensten Weinjournalisten des Landes: Viktor Siegl. Unter dem Titel „Stille Größe, Mutige Pläne“ brachte er ein 2-seitiges Portrait in der VINARIA. Damit wurde erstmals ausführlich publik, was heute fast selbstverständlich ist: Von Grüner Veltliner Hundsleiten ist die Rede und von Zeiseneck, von Blauer Zweigelt und von „schrägen“ Etiketten. Der Weg zu den heutigen rund 70 Hektar Rebfläche mit 19 höchst unterschiedlichen Weinen ist aber zu diesem Zeitpunkt noch unsagbar weit und der heutige moderne Keller war damals nicht mal noch ein Gedanke, geschweige denn die mehr als 20 Exportländer, die heute beliefert werden.

Was treibt also einen 38-jährigen dreifachen Vater, sich in ein solches Abenteuer zu stürzen? Viktor Siegl bringt es wohl auf den Punkt: Er meinte schon damals, Roman Pfaffl sei „ein vom Wein Faszinierter“. Und für einen solchen waren die zum Verkauf stehenden Lagen einfach zu verlockend: Unter anderen, eine Terrassenanlage – hier im Weinviertel, heiß und steinig, vom Norden her durch eine eigens errichtete hohe Mauer vor Winden geschützt, kurzum: ein einmaliges Juwel österreichischer Weinkultur.

Die Investition, die schlaflosen Nächte und die viele Arbeit haben sich gelohnt. Riesling Terrassen Sonnleiten, Chardonnay Rossern, Sauvignon blanc Seiser am Eck, das sind nur einige der vielen Weine, die ohne den damaligen großen Schritt niemals Einzug in unser Sortiment gefunden hätten.

„Man kann Roman Pfaffl zu Mut und Zuversicht nur gratulieren“ schrieb Viktor Siegl, dem heute unser Dank gilt. Dafür, dass er es „Mut“ genannt hat und damit auch uns Mut gemacht hat!

zum Artikel (Vinaria 1989)