Visionär und Idealist
Weingut R&A Pfaffl präsentiert heuer den 10. Goldjoch Grünen Veltliner. Ein Jubiläum für einen Wein der außergewöhnlichen Art,
der seinen Ursprung eigentlich bereits im Jahr 1988 nahm...
Die Berliner Mauer steht noch, Michael Jackson führt die Hitparaden mit "Bad" an, es ist die Zeit von Fendrichs
"Macho Macho" und von "Dirty Dancing". In der österreichischen Weinszene werden die Karten gerade neu
gemischt. Man beginnt sich für hohe Qualität zu interessieren. Neue, internationale Rebsorten werden kultiviert, an die
Zukunft des Grünen Veltliners glauben noch lange nicht alle.
Roman Pfaffl ist noch weitestgehend unbekannt. Er bewirtschaftet etwa 5 Hektar Weingärten, vorwiegend mit den Sorten
Grüner Veltliner, Welschriesling und Zweigelt. Aber er sieht Potenzial im Grünen Veltliner. Und er beginnt die Spielarten
dieser Sorte auszutesten. Einen vollen, hochreifen Veltliner baut er daher in Barrique aus. Eine Ausbauweise, die bis dato in Österreich kaum praktiziert wird. Aber der damals 37-jährige glaubt an das Lagerpotential seines Grünen Veltliners und will beweisen, dass die Eiche dem gereiften Veltliner gut tut.
7 Jahre später, im Jahr 1995 beginnt die eigentliche Geschichte von Goldjoch. Roman Pfaffl wird mittlerweile
"Mr. Veltliner" genannt. Er macht Veltliner der leichteren, spritzigeren Kategorie (Zeiseneck), etwas
fruchtiger und fülliger (Haidviertel) und kräftig, mineralisch (Hundsleiten). Aber seinen Grünen Veltliner Barrique
aus dem Jahr 1988 kann der Visionär nicht vergessen. Er probiert ihn und ist von dem Ergebnis begeistert. Sofort sucht
er nach einer Lage, die es ihm ermöglicht, jedes Jahr einen kräftigen, hochreifen Veltliner zu keltern. In Großebersdorf
wird er fündig. Dort gibt es "In goldenen Jochen" – nach Süden ausgerichtet, sandiger Boden, der sich voll aufheizt
und die Wärme auch nachts noch abgibt. Pfaffl pflanzt Grünen Veltliner, den er drei Jahre später, 1998, das erste Mal
goldgelb erntet und zu 100% in Barriques vergärt und lagert.
Mit Jahrgang 2007 wird nun die 10. Auflage dieses Ausnahmeveltliners präsentiert. Nach wie vor wird er aus den
vollreifen Trauben der Riede "In Goldenen Jochen" gekeltert, wenn auch nicht mehr in Barriques, sondern in großen
Holzfässern. "Wir mussten dem Trend nachgeben," meint Roman Pfaffl dazu. Nach wie vor ist der mittlerweile 57-jährige
davon überzeugt, dass Liebhaber älterer Weine - wie er einer ist- Grünen Veltliner in Barriques zu schätzen wissen.
"Aber leider sind ältere Jahrgänge nach wie vor in Österreich unverkäuflich," meint der Idealist, der allerdings
dennoch nicht auf die Stilistik dieses mächtigen Veltliners verzichten will. Seit dem Jahrgang 2005 baut er den Goldjoch
daher im großen Holzfass aus, womit der Wein etwas schneller trinkreif wird, aber dennoch ein hohes Lagerpotential aufweist.
"Ich will den Wein auch noch in einigen Jahren genießen können..."