Goldenes Bründl, Schwedenhöhlen &
Michelberg im Rohrwald
Das Goldene Bründl befindet
sich in der Nähe des gleichnamigen Gasthauses. Als Rudolf von
Habsburg gegen Ottokar von Böhmen in den Kampf zog, kam er auch
in unsere Gegend, die damals noch sehr dicht bewaldet war. An
einem Sommertag sandte die Sonne ihre Strahlen unerbittlich auf
die schweren Rüstungen der Ritter, und Ross und Reiter litten
unter großem Durst. Im Walde war es sehr schwül, fast zum
Verschmachten. Der König, dem Mensch und Tiere erbarmten, stieg
vom Pferde, um nach einer Quelle Ausschau zu halten. Er hat
wirklich eine Quelle gefunden, die ihn uns seine Mannen mit
ihrem köstlichen Nass sogleich erquicken sollte. In dem
Augenblick, als Rudolf sich niederbeugte, um sich an dem
klarfrischen Wasser seinen Durst zu stillen, gewahrte er am
Rande der Quelle ein goldfunkelndes, zierliches Becherlein.
Hastig griff er danach, füllte es einige Male, trank aus und
steckte den kostbaren Fund zu sich. Da hörte er ein feines
Stimmchen hinter sich, das flehentlich bat: „O Herr, lass ab von
meinem Becherlein! Ich hab es hier vergessen; nähmst du es mir,
es brächte dir kein Glück ins Haus.“ So bat eine Nixe, der das
Becherlein gehörte. Ohne sich lange zu besinnen, gab ihr Rudolf
das zierliche Trinkgefäß zurück. Da überreichte ihm die Nixe ein
goldenes Ringlein, das sie von ihrem Finger zog, mit den Worten:
„Nimm hin, tapferer Fürst, dieses Ringlein für dich und deine
Nachkommen! Solange es im Besitz deines Geschlechtes ist, wird
ihm und dem Reiche das Glück hold sein; erlischt aber dein
Mannesstamm dereinst, muss mir das Ringlein zurückgegeben
werden.“Freudig zog Rudolf in die Schlacht, aus der er als
Sieger heimkehrte. Die Nixe hatte recht behalten. Das Ringlein
brachte ihm viel Glück und Segen. Nach dem Tode Kaiser Karls VI.
brachte seine Tochter Maria Theresia das Glücksringlein der Nixe
zurück. Die Quelle, die den kostbaren Schatz aufnahm, führt seit
jenem Tage die Bezeichnung „Goldenes Bründl“. Die Sage erzählt
auch, dass Leute, die noch nie gelogen haben, an bestimmten
Tagen das Ringlein auf dem Grund der Rohrwaldquelle erblicken
können.
Die Schwedenhöhlen liegen
westlich von Harmannsdorf-Rückersdorf. Das sind in Löß
geschlagene Höhlen; eine Gruppe von Erdställen, die in der
Bevölkerung der Umgebung recht gut bekannt sind und die auch
häufig besucht werden. Fast alle Leute, die diese Höhlen kennen,
wissen auch zu berichten, dass es sich dabei um Zufluchtsstätten
handelt. Eine Sage erzählt, sie seien während der Schwedenkriege
im 17. Jahrhundert als Versteckplätze für die Bewohner der
umliegenden Ortschaften gebaut worden, kurz bevor der
Schwedengeneral Torstenson die Stadt Korneuburg besetzte. Doch
auch von Hussiten, Türken und Ungarn wird berichtet, und manche
bringen die Höhlen sogar mit alten Kultstätten oder Wehranlagen
jenes nahen Hügels in Verbindung, auf dem die Burg Kreuzenstein
steht. Die Höhlen sind begehbar; innen sind teilweise sehr
beeindruckende Räume.
Der Michelberg ist bereits
seit langem für seine ausgezeichnete Fernsicht bekannt. Die
Sicht reicht von den Gipfeln des Schneeberges und des
Traunsteins über das Donautal bis hin ins Weinviertel. Die gute
Sicht sowie die baumfreie Lage wusste man bereits in der
Steinzeit am Michelberg zu seinem Gunsten zu nutzen. So befand
sich bereits in der Steinzeit eine Beobachtungsstation am Gipfel
des Michelberges.